Festliegende Kühe nach der Kalbung oder nach den ersten Melkzeiten sind auf keinem Betrieb gerne gesehen. Dennoch ist eine Häufigkeit von Milchfieber bei 10 % der Milchkühe nicht außergewöhnlich. Spezielle Maßnahmen sollten ergriffen werden, wenn Milchfieber gehäuft auftritt. Intensive Herbstweiden können die Problematik verschärfen.

Die Ursachen für Milchfieber (Gebärparese, Hypocalcämie) sind der plötzliche Abstrom von großen Mengen an Calcium (Ca) über das Kolostrum und die verzögerte Nachlieferung aus den Knochen, die geringe Aufnahme über die Dünndarmwand sowie die geringe Rückresorption in der Niere. Das Absinken des Calcium-Spiegels im Blut auf unter 8 mg/100ml verursacht die bekannte Übererregbarkeit und Krämpfe beim Tier. Schlussendlich kann es zum Festliegen mit darauffolgendem Koma samt Tod kommen.

Falsche Versorgung vermeiden
Verfettete Kühe sind besonders davon gefährdet Milchfieber zu erleiden. Eine Verfettung von Kühen im letzten Laktationsdrittel sowie in der Trockenstehzeit ist daher zu verhindern. Die Fütterung im letzten Laktationsdrittel sollte sich darum an der Körperkondition der Kühe orientieren.

Besonders wichtig ist es auch, eine sehr hohe Calciumfütterung während der Trockenstehzeit zu verhindern. Eine Calciummenge von weniger als 100 g pro Kuh und Tag ist Pflicht. Bei einer höheren Versorgung verliert der Dünndarm zunehmend die Fähigkeit, Calcium aktiv aus dem Darminhalt aufzunehmen und auch die Calcium-Mobilisation aus dem Knochen sinkt. Wenigstens zwei bis drei Wochen vor der Abkalbung sollte die Ca-Versorgung reduziert werden um die Mobilisation und die Aufnahme von Calcium beim Tier zu trainieren. Um die Calciumaufnahme und Mobilisation in der Trockenstehzeit besonders zu fördern, ist die Ca-Aufnahme pro Tag auf unter 45g pro Tier zu senken. Dies ist jedoch am Grünlandbetrieb kaum umsetzbar. Förderlich für die Calciumaufnahme und die Mobilisation aus den Knochen ist zudem eine ausreichende Versorgung an Vitamin D, welches über Mineralfutter zugefüttert werden muss. Besonders calciumhaltig sind Grundfuttermittel mit hohen Leguminosen- und Kräuteranteilen und deshalb für die Trockensteherfütterung nicht geeignet.
Neben der Reduktion des Calciumgehaltes der Ration ist es genauso wichtig, Überversorgungen und Unterversorgungen an Phosphor, Magnesium und Natrium zu vermeiden, da diese Fütterungsfehler die Milchfiebergefahr erhöhen. Überversorgungen an Kalium und Rohprotein sind weitere Förderer von Milchfieber. Für eine gute Verwertung von Phosphor und einigen Spurenelementen ist es besonders wichtig, die Futterverschmutzung und somit den Eisengehalt der Ration unter 500 mg/kg TM zu halten. Ebenso bedeutend ist für die trockenstehende Kuh und das Kalb eine optimale Versorgung mit Spurenelementen (Cu, Co, I, Zn, Mn, Se). Dies ist nur durch den Einsatz von Mineralfutter möglich.

Vorsicht bei Herbstweidehaltung
Besondere Vorsicht sollte bei der Haltung der trockenstehenden Kühe auf Spätsommer- bzw. Herbstweiden gelten. Diese fördern die Entstehung von Milchfieber besonders durch:
• einen hohen Klee- und Kräuteranteil (dadurch calcium- und phosphorreich)
• einen hohen Rohproteingehalt
• eine kurze Aufwuchsdauer und dadurch wenig Futterstruktur
• einen hohen Kalium- und gleichzeitig niedrigen Natriumgehalt

Da eine ausreichende Bewegung vor allem für trockenstehende Kühe sehr wichtig ist, sollte der Zugang zu solchen Weideflächen zeitlich begrenzt werden und eine Beifütterung von strukturreichem Heu mit geringem Klee- und Kräuteranteil oder Stroh im Stall erfolgen. Wichtig ist aber, dass die Futteraufnahme dadurch nicht reduziert wird (auf Hungergrube achten). Auch Luzerneheu hat in der Trockensteherration keinen Platz.

Das richtige Kraft- und Mineralfutter
Trockenstehende Kühe sollten bereits in den letzten zwei bis drei Wochen der Trockenstehzeit auf die Ration der laktierenden Kühe umgestellt werden. Schließlich steigt der Nährstoffbedarf in dieser Phase stark an und der Pansen muss sich an das neue Futter anpassen. Beim Einsatz von Kraftfutter in dieser Phase ist darauf zu achten, dass diesem möglichst wenig Futterkalk und somit Calcium beigemischt ist. Bei bereits hohem Kaliumgehalt im Grundfutter, sollten Kraftfuttermittel wie Soja oder Zuckerrübenprodukte vermieden werden, da diese von Natur aus viel Kalium beinhalten. Wichtig ist, Mineralfutter mit einem geringem Calciumgehalt und einem Ca:P Verhältnis von 1:1 bis 0,7:1 einzusetzen. 

Nach der Abkalbung muss die Calciumversorgung in jedem Fall gesteigert und an den Bedarf der Kuh angepasst werden. Die Milchmenge ist dafür entscheidend. Nicht zuletzt sollte Viehsalz in der Trockenstehzeit portioniert und nicht zur freien Aufnahme angeboten werden.

Fazit
Ob Milchfieber am Betrieb auftritt ist nicht nur von der Fütterung abhängig. Genetik, Alter der Tiere oder andere Vorbeugemaßnahmen (zb. Vit. D3-Spritze, Ca-Bolus,...) spielen eine wichtige Rolle. Wichtig ist es, die oben beschriebenen Vorbeugemaßnahmen einzuhalten und betriebliche Probleme mit dem Hoftierarzt zu besprechen. Zur genauen Abklärung ist eine Futteruntersuchung mit darauf aufbauender Rationsberechnung dringend anzuraten. Nur so können nachhaltig wirksame Maßnahmen getroffen werden.

Bei Fragen und Anmeldung zur Fütterungsberatung melden Sie sich bitte bei Ihrem Berater:
DI Gerhard Lindner
0662 870571 268
gerhard.lindner@lk-salzburg.at

Ignaz Lintschinger, BEd
0662 870571 264
ignaz.lintschinger@lk-salzburg.at

Autor: DI Gerhard Lindner

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