„Kolostrum-Management und Kolostrum-Qualität in Rinderbetrieben im Bundesland Salzburg"

Aufgrund des Aufbaus der Rinder-Plazenta (Mutterkuchen) ist es nicht möglich, dass Antikörper von der Mutter bereits im Mutterleib auf das Kalb übergehen. Dies ist der Grund, warum ein Kalb ohne jegliche Abwehr geboren wird. Es ist somit schutzlos den Erregern ausgesetzt. Kälber sind davon abhängig, die lebenswichtigen Antikörper (Immunglobuline) über das Erstkolostrum (Biestmilch) aufzunehmen (=passive Immunität). So erhält das Kalb einen Schutz gegen jene Erreger, mit denen die Mutter in ihrem bisherigen Leben in Kontakt gekommen ist und dabei Antikörper gebildet hat.

„Wieviel Erstkolostrum soll das Kalb nun bekommen?" Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Dazu ist es essentiell zu wissen, welche Menge an Immunglobulinen (IgG) das Kolostrum beinhaltet. Ein Kalb braucht für eine optimale Versorgung mindestens 100 - 200 g IgG. Das heißt: 2 - 4 Liter hochwertiges Kolostrum (min. 50 g IgG/l) innerhalb der ersten vier Lebensstunden. Doch woher weiß ich, ob meine Kuh „gutes" oder „schlechtes" Kolostrum produziert hat?

Es gibt mittlerweile verschiedene Geräte, um den Immunglobulin-Gehalt im Kolostrum zu messen. Leider werden sie oft aus Zeitgründen nicht eingesetzt. Auch der Keimgehalt spielt eine wichtige Rolle bei der Kolostrum-Qualität, da zu viele Bakterien die Aufnahme der Immunglobuline senken. Die Kolostrum-Qualität der Kuh hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Einige sind bereits länger bekannt, z.B. spielt das Alter der Kuh eine Rolle, wobei tendenziell ältere Kühe besseres Kolostrum haben als jüngere. Jedoch gibt es auch sehr viele Erstlaktierende, die gutes Kolostrum produzieren. Bei Kühen mit einer großen Kolostrum-Menge ist der Antikörper Gehalt pro Liter Milch häufig geringer, da die Antikörper durch die große Kolostrum-Menge verdünnt werden können. Eutererkrankungen kurz vor oder in der Trockenstehphase können auch die Qualität des Kolostrums beeinflussen. Dabei kann lediglich ein Viertel betroffen sein, es kann jedoch soweit kommen, dass das gesamte Kolostrum der Kuh verworfen werden muss.

Der TGD Salzburg bietet Ihnen die Möglichkeit, Kolostrum kostenlos untersuchen zu lassen. Um einen Überblick über die Herde zu bekommen, ist es wichtig, von möglichst vielen Kühen Kolostrum zu sammeln. Das Projekt soll jeden Betrieb dabei unterstützen, die eigenen Kühe besser einschätzen zu können. Deswegen ist es wichtig, dass so viele Kühe der Herde wie möglich (aus unterschiedlichen Altersgruppen, Gesundheitszuständen, Milchleistungen, etc.) untersucht werden. Vor allem wenn das Kolostrum für andere Kälber eingefroren werden soll, muss es einen hohen Antikörper-Gehalt haben. 

Vorrangiges Ziel des Projektes ist, Ihnen einen Überblick über Ihre Tiere zu verschaffen, welche Kühe „gutes" Kolostrum liefern und welche „schlechtes". In weiterer Folge werden unterschiedliche Betriebsstrukturen verglichen, um z.B. Einflüsse der Fütterung (Silage, Heu, etc.) oder Haltung (Alpung, Weide, etc.) auf die Kolostrum-Qualität festzustellen. 

Ablauf des Projektes: Voraussetzung für die Anmeldung zum Kolostrum-Projekt ist lediglich die Teilnahme am TGD Salzburg. Wenn Sie den Fragebogen zum Kolostrum-Management und in weiterer Folge das Anmeldeformular ausgefüllt haben, wird Ihnen vom TGD Salzburg eine interne Projekt-Nummer zugewiesen. Alle Daten werden nur mit dieser internen Nummer weiterverarbeitet. Bitte beachten sie, dass eine E-Mailadresse für die Kommunikation und Befundübermittlung unbedingt notwendig ist! 

Die Probensets werden mit Hilfe der LKV MitarbeiterInnen ausgeteilt. Für die Untersuchungen müssen zwei Probenröhrchen (35 ml und 15 ml) mit Kolostrum befüllt und eingefroren werden. Eine detaillierte Anleitung zur Probennahme sowie ein Probenbegleitschreiben liegt jedem Probensäckchen bei. Die Proben sollen sauber aus dem Sammelgemelk genommen werden (Eimer/Gefäß, in den/das gemolken wurde). Wenn das Kalb normalerweise selbstständig trinkt, melken Sie bitte aus allen 4 Vierteln in einen Becher und füllen sie dieses Sammelgemelk in die Probenröhrchen ab (insgesamt werden 50 ml benötigt). Wichtig!!! Die Proben müssen SOFORT nach Probennahme eingefroren werden. Dies ist vor allem für die Bestimmung des Keimgehaltes wichtig. Wenn die Proben zu lange stehen gelassen werden, vermehren sich die Bakterien und das Ergebnis ist nicht mehr aussagekräftig.

Über die genaue Abholung der Proben werden Sie per E-Mail informiert. Die Proben werden gesammelt ca. alle 2 - 3 Monate abgeholt. Bitte die Proben solange im Gefrierfach aufbewahren.

Die Projektlaufzeit beträgt ein Jahr. Die letztmögliche Anmeldung zum Kolostrum-Projekt und das Ausfüllen des Fragebogens zum Kolostrum-Management ist der 31.01.2021. Proben können und sollen das ganze Jahr über gesammelt werden (bis 31.10.2021).

Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung und hoffen auf zahlreiche TeilnehmerInnen!

Kontakt:
Mag. Nicole Hechenberger
Geschäftsführerin Tiergesundheitsdienst Salzburg
Tel: +43 662 8042 3620
E-Mail: tgd-s@salzburg.gv.at
www.tgd-salzburg.at/kolostrum

 

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